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Gewinnrendite
nach Joel Greenblatt

Die Gewinnrendite nach Joel Greenblatt bei der Aktienanalyse verwenden

Der US Fondsmanager Joel Greenblatt geht in seinem Bestseller-Buch "Die Zauberformel" auf die beiden Kennzahlen Kapitalrendite und Gewinnrendite ein. In diesem Teil sprechen wir über die Gewinnrendite und schauen uns an, wie man die Gewinnrendite ermittelt. Wenn du mehr über die Kapitalrendite erfahren willst, dann schau dir das Kapitel "Kapitalrendite" an. Sein Fonds Gotham Capital ist zwar geschlossen, dennoch ruht sich Greenblatt nicht aus, sondern ist nach wie vor ein aktiver Value Investor. Auf der Webseite von gurufocus.com können Interessierte Anleger nachsehen, bei welchen Unternehmen Greenblatt derzeit investiert ist. 

Eine höhere Gewinnrendite ist besser als

Value Investoren suchen nach guten Unternehmen, beobachten diese und versuchen deren Aktien zu günstigen Preisen zu kaufen. Was ist günstig ? Das KGV ist sicherlich ein Anhaltspunkt dafür, wie günstig oder teuer eine Aktie ist. Die Gewinnrendite nach Greenblatt ist sozusagen der Kehrwert des KGV. Der Unternehmenswert einer Aktiengesellschaft berechnet sich aus der Marktkapitalisierung (=Aktienanzahl x Aktienkurs) + Hinzurechnung der zinspflichtigen Schulden. Dies sind in der Regel langfristige Verbindlichkeiten.

Die Gewinnrendite beziffert, wie viele Jahre es dauern würde bis das Unternehmen den Wert seiner Aktien als Gewinn erwirtschaftet hat. Formel: Gewinnrendite in % = 1 / KGV * 100

oder "richtiger und genauer"

 

EBIT / Unternehmenswert (=Marktkapitalisierung + zinspflichtige Schulden)

Beispiel 1:

Die Aktie der XYZ-AG notiert am 31.12.2020 bei 50 Euro. Das Unternehmen hat im Jahr 2020 einen Gewinn von 7 Euro je Aktie (EPS Earnings per Stock) erzielt. 

KGV: Aktienkurs / Gewinn je Aktie = Somit 50 / 7 = 7.14. Das KGV entspräche 7.14

Gewinnrendite: 1 / 7.14 x 100 = 14.0 %. Die Gewinnrendite entspräche 14.0 %

Beispiel 2:

Die Aktie von Henkel notiert am 07.06.2021 bei 94.32 Euro. Der Gewinn je Aktie betrug 3.24 Euro im Jahr 2020. Aktuell schätzt man im Analystenkonsens den Gewinn je Aktie auf 4.42 Euro im Jahr 2021.

KGV aktuell: 94.32 Euro / 4.42 Euro = 21.34 

Gewinnrendite: 1 / 21.34 x 100 = 4.69 %

Beispiel 3:

Das Unternehmen XYZ-AG hat im Geschäftsjahr 2020 einen Gewinn vor Steuern von 10 Mio Euro erzielt. Der Unternehmen wird an der Börse mit 100 Mio Euro bewertet. Es sind im Jahr 2020 Zinsaufwendungen in Höhe von  5 Mio Euro entstanden. 

Gewinnrendite: EBIT/Unternehmenswert

Berechnung: 10/(100+5) = 9.5 %

Die Gewinnrendite beträgt im Falle 3 somit 9.5 % 

Die Anwendung und Aussagekraft der Gewinnrendite bei der Aktienanalyse

Anhand der Gewinnrendite lässt sich die Börsenbewertung einschätzen. Eine hohe Gewinnrendite bedeutet, dass das Unternehmen "niedrig" an der Börse bewertet ist. Wenn beispielsweise ein Unternehmen ein Bürogebäude für eine Million Dollar mit einem Darlehn von 800.000 Dollar und mit nur 200.000 Dollar Eigenkapital kauft, dann beträgt der Kapitalwert 200.000 Dollar, aber der Unternehmenswert 1 Million Dollar. 

Wenn das Gebäude ein EBIT (Gewinn vor Zins und Steuern) von 100.000 Dollar erwirtschaftet, dann beträgt das EBIT/EV zehn Prozent. EV bedeutet Enterprise Value - zu deutsch Unternehmenswert. 

Fazit: Schulden verzerren das Bild stark, wenn man nur den Kapitalwert berücksichtigt.

Wenn sich die Verschuldung ändert, dann ändert sich auch die Gewinnrendite in Bezug auf das Kapital. Besser ist daher die Berechnung der Gewinnrendite nach der Formel EBIT / Unternehmenswert (=Marktkapitalisierung ./. zinspflichtige Schulden).

Fazit des Buches "Die Zauberformel":

Auf lange Sicht funktioniert die Zauberformel offensichtlich gut. Häufig jedoch funktioniert die Zauberformel über Jahre oder Perioden nicht; jedoch wollen die meisten Anleger nicht an einer Strategie festhalten, die mehrere Jahre am Stück nicht funktioniert. Auch wenn die Aktienkurse kurzfristig emotional gestaltet sind, orientieren sich die Märkte wieder langfristig an der Preisbildung des tatsächlichen Werts von Aktien. Um messbare Ergebnisse zu erzielen, sollten Aktionäre mindestens 3 bis 5 Jahre an der Strategie festhalten. 

Mehr zu Joel Greenblatts Zauberformel und zum Themal Kapitalrendite in diesem Artikel

Anwendung der Zauberformel anhand des Vergleiches zweier Unternehmen:

Zauberformel Berechnung.png

Vergleich zweier Unternehmen anhand der Zauberformel von Greenblatt:

 

Welche Aktie würdest du auf den ersten Blick kaufen ? Die von Unternehmen A oder B ?

Lösung:

Die Gewinnrendite beider Unternehmen beträgt:

Unternehmen A: Aktienkurs stand heute = 60 € je Aktie

Formel Gewinnrendite = 1 / KGV x 100

KGV = 60 / 6 = 10.0

1 / 10 x 100 = 10 % Gewinnrendite

Unternehmen B: Aktienkurs stand heute = 10 € je Aktie

KGV = 10 / 3 = 3.33

1 / 3.3.. x 100 = 30 % Gewinnrendite

Zwischenfazit: Auf den ersten Blick beträgt das KGV von Unternehmen A genau 10. Das KGV von B beträgt 3.33 und ist niedriger. Auch die Gewinnrendite von B ist mit 30% höher als die 10% Gewinnrendite des Unternehmens A. 

Jetzt kommen wir jedoch zur "richtigeren Formel" für die Gewinnrendite. Auf vielen Webseiten wird meist nur die Formel 1  / KGV x  100 dargestellt.  Diese würde jedoch nicht die Schulden des Unternehmens berücksichtigen und ist daher im Grund genommen nicht richtig. 

EBIT  Unternehmenswert (=Marktkapitalisi

 

Richtige Berechnung der Gewinnrendite nach der Formel EBIT / EV

Unternehmenswert und Gewinnrendite von Unternehmen A:

Der Unternehmenswert berechnet sich aus der Marktkapitalisierung + langfristige Schulden, wie bereits oben dargestellt. Gehen wir von einer Aktie aus. 

60 € Aktienkurs + 0 € Schulden = 60 € Unternehmenswert (Enterprise Value)

EBIT / Unternehmenswert = 10 / 60 = 16,66 %

Unternehmenswert und Gewinnrendite von Unternehmen B:

10 € Aktienkurs + 50 € langfristige Verbindlichkeiten = 60 € Unternehmenswert (Enterprise Value)

EBIT / Unternehmenswert = 10 / 60 = 16.66 %

Fazit:

Für einen Investor wäre es im Prinzip egal ob er für Unternehmen B 10 Euro je Aktie bezahlt und 50 Euro Schulden je Aktie hätte oder 60 Euro für Unternehmen A bezahlt und keine Schulden hätte. In beiden Fällen würde man für 60 Euro Investitionssumme ein EBIT von 10 Euro kaufen.

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Weiteres Börsenwissen wie z.B. die Berechnung des Free FFO  findest du auch auf Aktieninvestor.net.

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